Abschied nehmen: Psychologe erklärt das liebevolle Loslassen

Warum schmerzen Abschiede so tief? Ein Psychologe zeigt, wie Sie würdevoll und liebevoll loslassen – und Raum für etwas Neues in Ihrem Leben schaffen.

Patric Pförtner M.Sc.

Patric Pförtner M.Sc.

M.Sc. Psychologe

(aktualisiert 31. August 2025)

9 Min. Lesezeit

Abschied nehmen: Wenn Loslassen mehr Liebe braucht als Festhalten

Abschied nehmen: Psychologe erklärt das liebevolle Loslassen

Als Psychologe und Paartherapeut begegne ich häufig Menschen, die an einem Abschied stehen – an einem, der schon ausgesprochen wurde, an einem, der noch in der Luft schwebt, oder an einem, der innerlich längst stattgefunden hat, aber äußerlich noch nicht. In all diesen Momenten gilt: Loslassen braucht oft mehr Liebe als Festhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abschiede sind keine Schwäche: Was so schwer ist, ist Ausdruck dafür, wie tief Sie geliebt haben.
  • Vermeidung verlängert Schmerz: Schnell abhaken funktioniert nicht – Abschluss entsteht durch ehrliches Benennen.
  • Identität und Bindung sind verwoben: Sie verlieren nicht nur den anderen, sondern auch eine Version von sich.
  • Loslassen ist kein Vergessen: Es bedeutet, einer Verbindung im Inneren einen neuen Platz zu geben.
  • Hilfe ist möglich: Professionelle Online-Beratung kann helfen, einen würdevollen Abschied zu gestalten und einen tragfähigen Neuanfang zu finden.

Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt:

  • Warum tut dieser Abschied so weh, obwohl ich ihn doch eigentlich will?
  • Wie kann ich loslassen, ohne mein gemeinsames Leben zu entwerten?
  • Wer bin ich überhaupt noch, wenn diese Rolle wegfällt?

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, was Abschiede wirklich mit uns machen, wie ein würdevoller Abschied aussehen kann – und warum Loslassen am Ende der Beginn von etwas anderem ist.

Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration und ersetzen keine professionelle Beratung.

Was Abschiede mit uns machen

Der letzte Kaffee. Zwei Tassen auf dem Tisch, beide noch warm. Eine Stille, die sich anfühlt wie das Einatmen vor einem Sprung ins Wasser. Sie wissen, dass danach nichts mehr so sein wird wie davor.

Abschiede haben ein eigenes Gewicht. Sie setzen sich in der Brust fest, lange bevor das erste Wort gesagt wird.

Warum Schmerz an dieser Stelle nicht Schwäche ist

In meiner Arbeit als Psychologe erlebe ich immer wieder, wie sehr Menschen beim Thema Abschied unterschätzen, was gerade in ihnen vorgeht. Es fühlt sich nach Schwäche an, so viel zu fühlen. Aber das Gegenteil ist wahr.

Klientin Lena: „Herr Pförtner, ich verstehe mich selbst nicht. Ich wollte diese Trennung. Ich weiß, dass es richtig ist. Und trotzdem fühle ich mich, als würde ich auseinanderbrechen.”

Ich: „Wie würden Sie das innere Gefühl beschreiben?”

Lena: „Wie zwei Äste an einem Baum, die sich nicht brechen, sondern einfach in unterschiedliche Richtungen wachsen. Aber das tut trotzdem weh.”

„Zwei Äste, die einfach weiterwachsen.”

Ich: „Genau dieses Bild trägt eine wichtige Wahrheit: Sie lieben noch, und Sie gehen trotzdem. Das schließt sich nicht aus.”

Lena: „Ich dachte, ich müsste aufhören zu lieben, um gehen zu können.”

Ich: „Das ist eine der häufigsten Selbsttäuschungen bei Abschieden. Niemand muss lieblos werden, um loszulassen.”

Tipp: Geben Sie sich die Erlaubnis, gleichzeitig zu lieben und loszulassen. Diese Gleichzeitigkeit ist keine Verwirrung, sondern emotionale Reife.

Was Bindungsforschung darüber sagt

Die Bindungsforschung – vor allem die Arbeit von John Bowlby – zeigt, warum Abschiede so tief greifen. Wenn wir jemanden wirklich lieben, verankern wir unsere innere Sicherheit auch in dieser Person. Ein Abschied bedeutet deshalb nicht nur Verlust des anderen, sondern auch eine temporäre Erschütterung des eigenen Fundaments.

Das erklärt, warum selbst gewählte Trennungen so schmerzen können. Sie verlieren nicht nur den Partner – Sie verlieren vorübergehend einen Teil der Stabilität, mit der Sie durchs Leben gegangen sind.

Der Knoten im Magen hat einen Namen

Lenas Partner Jonas wollte den Abschied schnell hinter sich bringen. Er zog sich zurück, antwortete kürzer, schien emotional immer weiter weg zu sein. Das ist eine klassische Vermeidungsstrategie – keine Schwäche, sondern ein Schutzmechanismus, der uns als Kinder geholfen hat und nun oft im Weg steht.

Warum Vermeidung den Schmerz verlängert

Was passiert, wenn Abschiede nicht wirklich vollzogen werden? Sie bleiben offen wie eine Wunde, die nicht verheilt.

Emotionally Focused Therapy, entwickelt von Sue Johnson, zeigt deutlich: Abschluss entsteht nicht durch das Beenden einer Beziehung, sondern durch das ehrliche Benennen dessen, was sie bedeutet hat.

Klientin Lena: „Jonas weicht jedem Gespräch aus. Er sagt, er hat das schon abgeschlossen.”

Ich: „Was glauben Sie, was hinter diesem schnellen Abschluss steht?”

Lena: „Vielleicht Angst, dass ihn das innerlich überrollt, wenn er sich wirklich darauf einlässt.”

Ich: „Vermutlich. Und solange er das nicht zulässt, trägt er die Beziehung weiter mit sich – ungesehen, ungelöst.”

„Was nicht benannt wurde, bleibt da.”

Tipp: Wenn Sie merken, dass Sie einen Abschied „nur schnell hinter sich bringen” wollen, halten Sie einen Moment inne. Was wäre, wenn Sie der Beziehung – auch im Abschied – noch einmal echten Raum geben?

Der Brief, der eine Brücke war

Lena schrieb Jonas einen Brief. Kein Vorwurf, keine Forderung – nur das, was geblieben war. Die Art, wie er samstags kochte. Die Nacht, in der er am Krankenbett ihres Vaters saß, ohne ein einziges Wort zu sagen. Die Sicherheit, die sie in seiner Ruhe gefunden hatte.

Dieser Brief war kein Schlusspunkt. Er war eine Brücke.

Geht es Ihnen wie Lena? In einem unverbindlichen Erstgespräch können wir gemeinsam überlegen, wie ein würdevoller Abschied für Sie aussehen kann. Meine Online-Beratung bietet Ihnen dafür einen geschützten Raum.

Wenn der Abschied mehrere Menschen gleichzeitig trifft

Clara und Felix trennten sich nach acht Jahren. Zwei Kinder, ein gemeinsames Umfeld, unzählige verschlungene Freundschaften. Ihr Abschied war weniger ein einzelner Moment als ein langer Prozess – ein schrittweises Auseinanderfalten.

Der Verlust einer Version von sich selbst

Was mir in der Arbeit mit Clara auffiel: Sie kämpfte weniger mit dem Verlust von Felix als mit dem Verlust der Version von sich selbst, die sie in dieser Beziehung gewesen war.

Identität und Bindung sind tief miteinander verwoben. Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) beschreibt das so: Wer bin ich, wenn diese Rolle wegfällt?

Klientin Clara: „Herr Pförtner, ich vermisse Felix gar nicht so sehr. Ich vermisse mich selbst – die Frau, die ich an seiner Seite war.”

Ich: „Wer war diese Frau?”

Clara: „Sie war Mutter, Partnerin, Teil eines großen Netzes von Freunden. Sie hatte einen festen Platz. Jetzt fühle ich mich, als würde ich in der Luft hängen.”

„Ich vermisse nicht ihn. Ich vermisse mich.”

Ich: „Diese Trauer ist berechtigt. Und sie ist auch ein Geschenk: Sie zeigt, dass jetzt ein neuer Raum entsteht, in den Sie etwas Eigenes hineinwachsen lassen dürfen.”

Tipp: Wenn Sie merken, dass Sie nicht nur den anderen vermissen, sondern auch sich selbst – schreiben Sie auf, welche Eigenschaften Sie in dieser Beziehung gelebt haben. Sie gehören Ihnen, nicht der Beziehung.

Kleine Rituale, große Wirkung

Die Antwort darauf entsteht nicht im Kopf, sondern durch gelebte Erfahrung. Clara begann, kleine Rituale einzuführen: Sonntagmorgens allein frühstücken, bewusst. Einen neuen Weg zur Arbeit wählen. Ein neues Buch auf dem Nachttisch.

Das Kleine, das Neue, das Eigene – all das half ihr, sich selbst neu zu entdecken, ohne Felix verleugnen zu müssen.

Sie kommt heute noch gelegentlich zu mir. Und sie sagt, dass das Bild der zwei Äste ihr geholfen hat – nicht zu brechen, sondern zu wachsen.

Was einen guten Abschied ausmacht

Ein Abschied muss nicht schön sein, um gut zu sein. Er muss ehrlich sein.

Raum für widersprüchliche Gefühle

Das bedeutet zuerst: Raum lassen für widersprüchliche Gefühle. Sie dürfen gleichzeitig traurig und erleichtert sein. Sie dürfen jemanden lieben und trotzdem gehen. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Zeichen von Verwirrung, sondern von emotionaler Reife.

Konkrete Elemente eines guten Abschieds

Was in meiner Praxis immer wieder hilft:

  • Ein Gespräch, in dem Sie sagen, was die andere Person Ihnen gegeben hat – nicht was schiefgelaufen ist.
  • Ein Ort, an dem Sie sich ein letztes Mal treffen und der Bedeutung trägt.
  • Ein kleines Symbol: ein Foto, ein Brief, ein gemeinsames Essen.
  • Eine klare Sprache: nicht „mal sehen, ob wir Freunde bleiben”, sondern eine ehrliche Aussage darüber, wie Sie weiterleben möchten.

Lena und Jonas trafen sich schließlich noch einmal – nicht um alles nochmals durchzukauen, sondern um sich gegenseitig zu danken. Sie saßen im selben Café, in dem sie sich vor Jahren zum ersten Date verabredet hatten. Zwei Tassen Kaffee, beide noch warm. Und zum ersten Mal seit Monaten fühlte sich die Stille zwischen ihnen nicht schwer an, sondern vollständig.

„Die Stille war zum ersten Mal nicht schwer.”

Tipp: Planen Sie Ihren Abschied so bewusst, wie Sie es bei einem wichtigen Anfang tun würden. Das, was man bewusst gestaltet, kann später Halt geben.

Wenn der andere nicht mitmachen will

Manchmal wollen oder können wir den Abschied bewusst gestalten – aber der andere nicht. Das ist schwer. In diesen Fällen lohnt es sich, den Abschied innerlich für sich selbst zu vollziehen. Ein Brief, der nie gelesen wird. Ein Gespräch, das nur in Gedanken stattfindet. Ein Symbol, das nur Sie kennen.

Auch das ist gültig. Auch das schafft Abschluss.

Loslassen ist kein Vergessen

Der größte Irrtum über Abschiede: dass wir loslassen müssen, um weiterzuleben. Aber Loslassen bedeutet nicht Vergessen. Es bedeutet, einer Verbindung einen neuen Platz zu geben – nicht im täglichen Leben, sondern im Inneren.

Wenn die Erinnerung nicht mehr wehtut

Jonas schrieb mir Monate später eine kurze Nachricht. Er habe angefangen, wieder zu kochen – dieses Mal für sich allein. Und dass er dabei manchmal an Lena denke, ohne dass es wehtue. Nur so, dass er lächele.

Zwei Äste, die sich im Wind voneinander entfernt haben. Und beide noch immer wachsen.

Wenn Sie gerade an einem Abschied stehen – egal ob am Anfang, mittendrin oder schon danach: Welche Version von Ihnen möchten Sie in diesem Moment sein?

Geht es Ihnen wie Jonas oder Lena? In meiner Online-Beratung begleite ich Sie dabei, einen würdevollen Abschied zu gestalten – auch dann, wenn der äußere Abschied längst hinter Ihnen liegt, aber innerlich noch nicht angekommen ist.

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Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen und Unterstützung suchen, bin ich für Sie da. In meiner Online-Beratung begleite ich Sie einfühlsam und kompetent auf Ihrem Weg – ob bei einer akuten Trennung, einem inneren Abschied von einer Lebensphase oder dem Loslassen einer Beziehungsidee, die nicht mehr trägt.

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